Epilog im Buch, Teil I


Ihre erste schwere Episode forderte die Autorin bereits vor 6 Jahren heraus. Nach der Genesung stellte sich dann zwei Jahre später erneut eine schwierige Zeit ein ...

 

   »Und wieder machst du dir nur noch Gedanken ... über alles, und grübelst noch mehr über dich und dein Leben nach.«

 

Freundschaft, Familie, Beruf, Träume, Visionen, Liebe, Hoffnung, Tod.

Verlustangst, Zukunftsangst, Schwäche. Lügen, Verrat, Eingeständnisse, Opfer.

Der Glaube, das große Ganze: Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin?

Wer bestimmt das, oder bestimmt es überhaupt wer? Menschen? Gott? Gibt es Gott (noch)?

 Warum passieren manche Dinge einfach? Die schlechten, wie die guten ...

 

   »Alles umkreist dich, Tag und Nacht ... Ob du willst oder nicht. Du kannst einfach nicht mehr abschalten und möchtest dich am liebsten nur noch verkriechen. Irgendwann stellst du dann einfach alles infrage.«

 

Man hatte Winter damals geraten: ' Schreiben Sie auf, was Sie beschäftigt ' was leicht gesagt war, denn Jessylynn Sidney Winter war keine Schriftstellerin. In der Schulzeit hatte sie immer Freude daran, Aufsätze nach irgendwelche Vorgaben zu schreiben, aber dieser Rat und die damit verbundene Aufgabe waren jetzt etwas völlig anderes.

 

   »Ich fing trotzdem an ... irgendwann nachts.«

 

Jessylynn Sidney Winter war fasziniert vom Fantasy-Genre der Hexen und Zauberer und beschloss, eine Kurzgeschichte zu schreiben.

 

   »Zur Ablenkung. Etwas unternehmen, vielleicht sogar verarbeiten. Irgendwie musste es ja schließlich weiter gehen ... bestenfalls bergauf.

Mein Ziel war es, einer traurigen Person etwas Glück zu schenken«

 

Zeile für Zeile, Stein um Stein, wurde Ghostwar gebaut, fast pausenlos, denn plötzlich sprudelten die Worte. Der Kampf mit den Geistern der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft hatte begonnen.

 

   »ENDE ... Kaum mehr als ein halbes Jahr war vergangen, vielleicht auch etwas mehr. Nun, eine Kurzgeschichte ist es nicht gerade geworden ... Man könnte es jetzt tatsächlich als Roman bezeichnen. Ich weiß gar nicht, wie ich es letztendlich geschafft habe ... Ich denke einfach, ich habe trotz allem die Hoffnung und den Glauben niemals wirklich aufgegeben. Ich musste in dieser Zeit oft an meinen Konfirmationsspruch denken:

Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen. (Psalm 37,5). Ich hatte das Bedürfnis, mich daran zu halten, während des Schreibens und besonders dann, wenn es mir wieder schlechter ging. Das fiel mir nicht immer leicht, aber man braucht unbedingt einen Halt. Vielleicht bergen Ghostwar und die Geschichte von Sheliese deshalb für mich eine eigene, ganz besondere Magie.«

 

Über eine Veröffentlichung hatte Jessylynn Sindey Winter gar nicht erst nachgedacht.

 

   »Wer will schon lesen, was du da von dir gibst. Dann, plötzlich, stellst du dir Fragen: Wozu hast du es geschrieben? Warum konntest du es überhaupt schreiben? War das wirklich nur für dich? Wenn du daran glaubst, dass es für alles im Leben einen Grund gibt, dann musst du

auch alles hinterfragen. Vielleicht ist gerade der Beweggrund das Brauchbare an der ganzen Geschichte und somit der Weg zum Ziel das Wichtigste.«

 

Winter machte sich die Entscheidung nicht leicht.

 

   »Ghostwar ist und bleibt zwar eine Fantasy-Geschichte, aber es steckt sehr viel Herzblut in den Zeilen.«

 

In einer heimischen Kreativ-Facebookgruppe wagte sie sich dann mit ihrem Text an die Öffentlichkeit und stellte Textsplitter online.

 

   »Ich musste feststellen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die Ghostwar gerne lesen möchten … Ich poste mittlerweile täglich in

dieser Gruppe. Die Resonanz der Gruppe hat mich zusätzlich ermutigt, ernsthaft, über eine Veröffentlichung nachzudenken.

Manchmal braucht man eben den ein oder anderen Tritt in den Allerwertesten, aber der wahrhaftige Grund für mich ist:

 

Ghostwar trägt eine Botschaft in sich … Ich musste feststellen, dass Schweigen nicht immer Gold ist.

 

Mit Ghostwar möchte ich es jedem ans Herz legen, es zu versuchen. Für mich war das Schreiben eine Chance.

Es hat mir geholfen … Ich bin auf einem guten Weg. Nach dem Wort ENDE, nicht sofort, aber sehr bald, hatte ich diesen Gedanken:

 

 Schreiben ...

stiehlt dem Autor unbemerkt, der Seele Wort um Wort ein Stück der Angst, hinfort der Schmerz.

Erinnerung wird leicht gemacht, und ebenso das Herz.«

                                                                                        Jessylynn Sidney Winter